AußendienstControllingVerkaufstechnik

Was Vertriebler über Kalkulation wissen sollten (III) – Kuppelkalkulation

Einsetzbar unter folgenden Bedingungen:

  1. Das Unternehmen stellt ein Hauptprodukt her, wobei immer auch aufgrund technischer oder natürlicher Gegebenheiten ein Nebenprodukt anfällt.
  2. Das Nebenprodukt ist verkaufbar.

Einsatzgebiet dieses Verfahrens waren früher vor allem Unternehmen der Schwerindustrie und Chemie, weil sich aufgrund der technischen Prozesse (z. B. Erhitzen) Abfallprodukte ergaben, die zumindest gegen geringes Entgelt abgegeben werden konnten.

Kuppelprodukte können anhand mehrerer Verfahren kalkuliert werden, wobei der Wert bzw. Wertunterschied der entstandenen Produkte entscheidend ist. Gibt es ein eindeutiges Hauptprodukt, das das eigentliche Produktionsziel darstellt, während das andere wirklich nur eine „Restgröße“ ist, dann kann die Restwertmethode eingesetzt werden. Entstehen mehrere Produkte, die einen nennenswerten Verkaufserlös erzielen können, dann bietet sich die Marktwertmethode an.

Restwertmethode

Angenommen, der Inhaber der Rahma KG will nun weitere Erlöspotenziale ausschöpfen. Er stellt fleißig seine kunstvoll gearbeiteten Bilderrahmen her und produziert dabei eine ganze Menge Abfall, nämlich überschüssiges Holz. Dies hat er bislang immer weggeworfen, was ihm manchmal schwerfiel, weil es oft doch künstlerisch bearbeitet war. Nun erkennt er die Verkaufschance als Bastelmaterial und sagt sich: „das verkaufe ich ab jetzt für einen Euro pro Stück“. Nur den Rest an Verschnitt lässt er entsorgen.

Die Kosten für die Fertigung liegen bei 400.000 EUR. Damit werden 5.000 Rahmen hergestellt und zu einem Preis von 100 EUR verkauft. Zusätzlich lassen sich 4.000 Bastlerstücke zu einem Euro absetzen. Für die Entsorgung der restlichen Rückstände zahlt die Firma 1.000 EUR.

Den Rahmen (Hauptprodukt) werden hier die Gesamtkosten abzüglich erzielter Verkaufserlöse für Kuppelprodukte und zuzüglich gezahlter Entsorgungsgebühren zugerechnet. Die Nebenprodukte werden nicht als Kalkulationsobjekt betrachtet und tragen keine Kosten. Somit ergeben sich für die Rahmen Kosten von 400.000 – 4.000 + 1.000 = 397.000 EUR oder pro Stück 397.000/5.000 = 79,40 EUR.

Marktwertmethode

Dem Rahmenbauer gefällt die Sache mit der Kuppelproduktion. Er hält viel auf seine Kreativität und sagt sich: „Ich muss die Reste ja nicht als Bastelmaterial verkaufen. Das sind Dekomaterialien und Ersatzteile für Restaurationen. Die können dann auch etwas teurer sein.“ Also legt er alles in ein Regal und verkauft es für 20 EUR pro Stück. Am Ende sind es zwar nur 500 Stück, die verkauft werden, aber es lohnt sich.

Die Kosten der einzelnen Produkte werden nun im Verhältnis der Marktwerte ermittelt. Dazu wird der Kostenanteil der erzielten Marktwerte (Verkaufserlöse) insgesamt errechnet. Bezogen auf die Erlöse der einzelnen Produkte ergeben sich dann die jeweiligen Kosten.

Die Gesamtkosten bei Rahma liegen bei 400.000 EUR zuzüglich Entsorgungskosten von 1.000 EUR = 401.000 EUR. Die Summe der Verkaufserlöse liegt bei 5.000 · 100 + 500 · 20 = 510.000 EUR. Der Kostenanteil liegt bei 401.000 / 510.000 = 0,7863. Somit ergeben sich Kosten für die Rahmen von 100 · 0,7863 = 78,63 EUR und für die Restmaterialien von 20 · 0,7863 = 15,73 EUR.