Controlling

Strukturanalyse von Ergebnisänderungen – Warum verdienen wir mehr oder weniger?

Das Betriebsergebnis eines Unternehmens ändert sich von Jahr zu Jahr – wenn nicht, sollte man nachsehen, ob man nicht die alten Zahlen ins neue Jahr kopiert hat. Praktisch jedes Unternehmen berücksichtigt das Betriebsergebnis in seinen Zielvorgaben und zumindest fast jedes achtet auch darauf, wie es sich entwickelt. Wenn man sich dabei auch für Einzelpositionen interessiert, kann es schnell unübersichtlich werden. Bei zwei- und dreistelligen Zahlen von Produkten mit Mengen, Preisen, variablen Kosten und auch noch Fixkosten verliert man schnell die Lust. Also bietet es sich an, einen Mittelweg zu gehen, das heißt etwas mehr zu analysieren als nur das Gesamtergebnis, und nicht gleich in der Zahlensuppe zu ertrinken.

Welcher Faktor wirkt sich wie auf das Betriebsergebnis aus?

  1. Zum einen sind es die Absatzmengen insgesamt, was an Verkaufsaktivitäten, Innovationen oder einem insgesamt wachsenden Markt liegen kann.
  2. Auch die Deckungsbeiträge wirken sich aus. So kommt es aufgrund von Preisänderungen und steigender oder sinkender variabler Kosten zu unterschiedlicher Produktprofitabilität, die dann auf das Betriebsergebnis durchschlägt.
  3. Innerhalb des verkauften Sortiments kommt es immer wieder zu Umschichtungen, teils aufgrund von Verkaufsbemühungen, teils aufgrund von Veränderungen im Nachfrageverhalten. Selbst bei unveränderter Gesamtabsatzmenge variiert dann das Betriebsergebnis.
  4. Schließlich bilden die Fixkosten auf unterschiedlichen Ebenen einen Einflussfaktor.

Sehen wir uns zum Vorgehen ein Beispiel an. In diesem Unternehmen gibt es genau drei Produkte, Alpha, Beta und Gamma. Aus dem Controlling erhält man für 2020 und 2021 die folgenden Daten:

2020AlphaBetaGammaSumme
Menge:10.00025.0005.00040.000
Preis:40,0020,0040,00
var. Kosten:25,0016,8016,00
Fixkosten:90.00050.00030.000170.000
Fixkosten:60.000
Grunddaten für das Jahr 2020

2021AlphaBetaGammaSumme
Menge:10.00025.00012.50047.500
Preis:50,0018,0032,00
var. Kosten:26,0014,009,60
Fixkosten:70.00040.00050.000160.000
Fixkosten:90.000
Grunddaten für das Jahr 2021

Preise und variable Kosten sind Durchschnittskosten. Auf Basis dieser Daten kann das Betriebsergebnis ermittelt werden:

2020AlphaBetaGammaSumme
Umsatz400.000500.000200.0001.100.000
– variable Kosten250.000420.00080.000750.000
= DB I150.00080.000120.000350.000
– Produktfixkosten90.00050.00030.000170.000
= DB II60.00030.00090.000180.000
– Unternehmensfixkosten60.000
= Betriebsergebnis120.000
Betriebsergebnis für 2020

2021AlphaBetaGammaSumme
Umsatz500.000450.000400.0001.350.000
– variable Kosten260.000350.000120.000730.000
= DB I240.000100.000280.000620.000
– Produktfixkosten70.00040.00050.000160.000
= DB II170.00060.000230.000460.000
– Unternehmensfixkosten90.000
= Betriebsergebnis370.000
Betriebsergebnis für 2021

Nun zur Fleißarbeit: Die Betriebsergebnisabweichungen (BE-Abw.) aufgrund von Stückdeckungsbeiträgen ist noch recht einfach. Man benötigt die Abweichungen der Stück-DB für alle Produkte und die Mengen im neuen Jahr (im Fall eines Soll-Ist-Vergleichs wären es dann die Ist-Werte). Resultat ist die BE-Abw. aufgrund veränderter Stückdeckungsbeiträge. Damit wird ein Teil der BE-Abw. erklärt. Wer will, kann auch separat Abweichungen für Preise und variable Kosten ermitteln – ist dann halt ein bisschen mehr Arbeit.

Stück-DB-AbweichungΔ Stück-DBMenge neuΔ DB gesamt
Alpha:9,0010.00090.000,00
Beta:0,8025.00020.000,00
Gamma:-1,6012.500-20.000,00
90.000,00
Betriebsergebnisänderung aufgrund veränderter Stückdeckungsbeiträge

Der nächste Einflussfaktor sind die Gesamtabsatzmengen (interne Verschiebungen bei den Mengen werden im darauffolgenden Schritt berücksichtigt). Man benötigt die Mengendifferenz zwischen den beiden Jahren und den durchschnittlichen Deckungsbeitrag des ersten Jahres. Dadurch erfährt man, welchen Einfluss die Mengenabweichung hat, die Deckungsbeiträge werden dafür konstant gehalten. Den Durchschnittsdeckungsbeitrag von 2020 ermittelt man, indem die mit den Mengen multiplizierten Stück-DB für die einzelnen Produkte addiert und mit der Gesamtmenge dividiert werden.

MengenabweichungΔ Menge 2021/2020:7.500
alter Ø-DB:8,75(alte DB/alte Mengen)
Δ DB wegen Gesamtmenge:65.625,00
Betriebsergebnisänderung aufgrund veränderter Gesamtabsatzmenge

Nun benötigt man den Einfluss der strukturellen Veränderung durch unterschiedliche Mengen bei den einzelnen Produkten. Was die veränderten DB und die Gesamtmenge angeht, wurden die obigen Abweichungen schon ermittelt. Jetzt muss der durchschnittliche DB mit den Stück-DB des ersten Jahres und den Mengen des zweiten Jahres errechnet werden. Der Sinn erschließt sich nicht so schnell, deswegen sei angemerkt, dass noch zu ermitteln ist, welche Auswirkung die neue Absatzmengenstruktur hat. Der Effekt der veränderten Stück-DB wurde bereits in der Stück-DB-Abweichung berücksichtigt. Es ergibt sich eine Differenz von 2,4079 € (wie gesagt, nur aufgrund der veränderten Nachfragestruktur). Für alle Stück des zweiten Jahres ergeben sich dann 114.375 €.

Strukturabweichungalter Ø-DB:8,75(alte DB/alte Mengen)
neuer Ø-DB:11,1579(alte DB/neue Mengen)
Δ DB:2,4079
Δ DB durch neuen Ø-DB
wegen Produktmengen
114.375,00(Δ DB/neue Gesamtmenge)
Betriebsergebnisveränderung aufgrund veränderter Absatzmengenstruktur

Jetzt fehlt noch der Einfluss durch die veränderten Fixkosten. Das geht recht einfach, man muss nur die jeweiligen Produkt- und Gesamtkosten addieren. In diesem Beispiel ergibt sich ein Ergebnisverlust von 20.000 €.

Fixkostenabweichung: -20.000.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der größte Teil der BE-Abw. von 250.000 € auf die Strukturabweichung zurückzuführen ist, also auf andere Schwerpunkte im Sortiment, immerhin positive Abweichungen. An zweiter Stelle stehen Deckungsbeitragsabweichungen – auch diese waren im Beispiel positiv. Die dritte Rolle spielt die Mengensteigerung insgesamt – hier kann man sich darüber streiten, ob es an der guten Konjunktur lag oder am Vertrieb, der nach eigenem Bekunden den Turbo gezündet hat. Kleiner Spielverderber sind die Fixkosten.

Zusammengefasst: 250.000 = 90.000 + 65.265 + 114.375 – 20.000

Bei nur drei Produkten hält sich der Erkenntnisgewinn der Strukturanalyse (einer Variante der Deckungsbeitragsflussrechnung) in Grenzen, denn man erkennt vieles auch mit der Methode des genauen Hinsehens. Aber schon bei vier oder fünf Produkten wird es schwierig, die verschiedenen Einflussfaktoren einzeln zu identifizieren. Dann weist das Verfahren darauf hin, was man sich genauer ansehen sollte – die Kosten der Produkte, die Marktentwicklung, die Preisgestaltung, die Fixkosten oder die Vertriebssteuerung. Im Vertrieb dürfte eine solche Analyse auch für Kunden und Regionen interessant sein, dann aber ohne mengenbezogene Abweichungen.